Die professionelle Wundreinigung ist der erste und wichtigste Schritt jedes Verbandwechsels. Frühere Praktiken wie das Ausspülen chronischer Wunden mit Wasserstoffperoxid, PVP-Iod oder reinem Leitungswasser gelten in der modernen Wundversorgung als obsolet. Doch welche Wundspüllösung ist 2026 die richtige Wahl?
Warum reicht einfaches Auswischen nicht aus?
Inhaltsübersicht:
ToggleChronische Wunden sind fast ausnahmslos von einem zähen Bakterien-Biofilm besiedelt. Dieser schützt Mikroorganismen vor dem körpereigenen Immunsystem und hemmt die Neubildung von Granulationsgewebe. Moderne Wundspüllösungen müssen daher Beläge sanft aufweichen, Keime reduzieren und dürfen gleichzeitig die empfindlichen Wundzellen (Fibroblasten) nicht schädigen.
Die wichtigsten Wundspüllösungen im Fachvergleich
1. Polihexanid (PHMB – z. B. Lavasept®, Prontosan®)
- Wirkungsweise: Breites antimikrobielles Spektrum, zerstört die bakterielle Zellwand, löst Biofilme hochwirksam.
- Gewebsverträglichkeit: Sehr hohe Zytokompatibilität; schädigt Granulations- und Epithelgewebe nicht.
- Besonderheit: Benötigt eine Einwirkzeit von 10–15 Minuten (z. B. als getränkte Kompressenauflage), um seine volle Wirksamkeit gegen Biofilme zu entfalten.
- Einsatzgebiet: Mittel der 1. Wahl bei chronischen, belegten und infektionsgefährdeten Wunden.
2. Octenidindihydrochlorid (z. B. Octenisept®, Octenilin®)
- Wirkungsweise: Sehr schnelle antimikrobielle Wirkung (bereits nach 1–2 Minuten Einwirkzeit).
- Besonderheit: Wundspüllösungen mit Tensiden (Octenilin) sind optimal für die schmerzfreie Wundreinigung. Wichtig: Reines Octenisept®-Antiseptikum darf niemals unter Druck in tiefe Wundhöhlen oder Stichkanäle appliziert werden (Gefahr persistierender Gewebsnekrosen).
- Einsatzgebiet: Schnelle Antiseptik bei akuten, kontaminierten Wunden und zur schnellen Keimreduktion.
3. Ringer- und physiologische Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %)
- Wirkungsweise: Rein mechanische Spülung zur Entfernung loser Zelltrümmer und Schmutzpartikel.
- Eigenschaften: Keine antimikrobielle Wirkung, löst Biofilme nicht aktiv auf.
- Einsatzgebiet: Reine Spülung von sauberen, unkomplizierten, gut granulierenden Wunden ohne Infektionszeichen.
4. Hypochlorige Säure / Natriumhypochlorit (NaOCl / HOCl – z. B. Lavanox®, ActiMaris®)
- Wirkungsweise: Rasche Geruchsreduktion, effektive Zerstörung von Biofilmen, entzündungshemmend.
- Einsatzgebiet: Stark riechende Wunden, infizierte Ulzera, Tumorwunden.
Wichtige Praxis-Tipps für den Verbandwechsel
- Wärme schützt die Wundheilung: Wundspüllösungen sollten vor der Anwendung idealerweise auf Körpertemperatur (ca. 37 °C) angewärmt werden. Kalte Lösungen kühlen das Wundbett aus und stoppen die Zellteilung für mehrere Stunden.
- Ausreichende Einwirkzeit: Bei wirkstoffhaltigen Spüllösungen wie Polihexanid immer eine feuchte Auflage für 10 bis 15 Minuten auf der Wunde belassen.
- Kein zytotoxischer Druck: Niemals scharf reiben; Beläge sanft durch Einweichen und weiche Vlieskompressen lösen.
Medizinischer Hinweis: Dieser Fachartikel dient ausschließlich der Information und allgemeinen Aufklärung. Er ersetzt keinesfalls die professionelle Diagnose, Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt oder zertifizierte Wundexperten.
*Hinweis: Dieser redaktionelle Inhalt und die begleitenden Bildvisualisierungen wurden mit Unterstützung moderner KI-Systeme erstellt und orientieren sich an aktuellen medizinischen Leitlinien (AWMF / ICW).






